Berater-Info: Artikelserie zum Thema Eutergesundheit
Umstellung auf ein biokonformes Eutergesundheitskonzept (1/3)
Problematik der Eutererkrankungen vielfach unterschätzt
Fast jeder Milchproduzent hat schon mit akuten Euterentzündungen (Fachbegriff: Mastitiden) zu tun gehabt, welche durch die klassischen Symptome wie Schwellung, Rötung, Schmerz und Milchveränderungen gekennzeichnet sind. Viele Tierhalter verstehen unter „Mastitiden nur die akuten Entzündungen der Milchdrüse. Wesentlich häufiger, viel problematischer und kostspieliger sind die subklinischen (versteckten) Euterentzündungen, die als solche gar nicht sofort erkannt werden. Die bestandesweite Ausbreitung solcher Euterentzündungen ist leider eher die Regel als die Ausnahme. Wenn Mastitis zu einem Bestandesproblem wird, steigt die Zellzahl in der Ablieferungsmilch an, gesunde Tiere werden angesteckt und Probleme in der Verarbeitung der Rohmilch können folgen. Ist diese fatale Situation eingetreten, steigen die Tierarztkosten und die Verluste durch nicht verwertbare Milch rapide an. Untersuchungen haben gezeigt, dass pro Krankheitsfall 800.- CHF ergeben und dass bei durchschnittlich 200'000 Zellen pro ml Milch sich der Verlust auf 600.- CHF pro Tier und Jahr beläuft.
Meistens sind mehrere Faktoren beteiligt
Euterentzündungen sind wie viele andere Nutztiererkrankungen so genannte Faktorenkrankheiten, das heisst es sind immer mehrere Faktoren an der Krankheitsauslösung beteiligt. Bei Milchkühen haben erfahrungsgemäss Haltung, Fütterung, Melktechnologie und –arbeit und die Beziehung zu den betreuenden Menschen den grössten Einfluss. Die Entstehung der Mastitis setzt in der Regel ein Eindringen von Bakterien in das Euter voraus. Oft gibt es Leitkeime, die gehäuft bei den Tieren vorkommen und die einen wichtigen Hinweis auf die Ursache geben können. Unterschieden wird zwischen Keimen, die von Tier zu Tier übertragen werden (Übertragung vor allem via Melkaggregat) oder die aus der Umwelt auf das Euter gelangen (Übertragung via Stroh, Mist, etc.). Die hauptsächlich von Kuh zu Kuh übertragenen Keime, wie z. B. Staphylokokken und gewisse Streptokokken gehören zu den ansteckenden Erregern, die auch in geringer Menge eine Infektion auslösen können. Die aus der Umwelt der Tiere stammenden Mikroorganismen, wie Umweltstreptokokken, E. coli, Hefen oder Algen, benötigen in der Regel grössere Mengen Erreger, um eine Mastitis auszulösen. Beiden Gruppen können jedoch sowohl akute als auch chronische Erkrankungen hervorrufen.
Hauptmerkmale der Erreger(-gruppen)
| Erreger |
Verlaufsform |
Ansteckungs-fähigkeit |
Wichtige begünstigende Faktoren |
| Streptococcus agalactiae |
akut/chronisch |
sehr hoch |
Ansteckung beim Melken |
Streptokokken (ohne Umweltstreptokokken) |
akut/chronisch |
hoch
|
Veränderungen im Zitzenbereich wie Verhornungen der Zitzenspitze oder Verletzungen |
Umwelt-Streptokokken |
akut/chronisch |
Gering
|
• Hygienemängel
• Schlechter Zitzenverschluss
|
Staphylococcus aureus |
akut/chronisch |
Hoch bis gering
|
• Mängel beim Melken
• Ansteckung beim Melken
|
Andere Staphylokokken |
akut/chronisch |
Hoch bis gering
|
• Mängel beim Melken
• Ansteckung beim Melken
|
| Escherichia coli, Klebsiellen und andere Stäbchenbakterien |
akut (chronisch) |
Gering |
• Fütterung
• Hygiene
|
| Hefen und Algen |
akut/chronisch |
Gering |
Oft nach antibiotischer Behandlung |
Quelle: Der Text ist eine Auszug aus dem FiBL-Merkblatt "Eutergesundheit im Milchviehbetrieb"
Weitere Informationen:
Weiter zu "Umstellung auf ein biokonformes Eutergesundheitskonzept (2/3)"
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FiBL-Merblatt: Eutergesundheit im Milchviehbetrieb
Ansprechpartner am FiBL: Fritz Heil, Klaus Böhler
Fachgruppe Tiergesundheit
FiBL-Beratung Schweiz
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